Die Mitte der Welt  (Center of the World)
Jakob M. Erwa
Deutschland/Österreich 2016, DCP, Farbe, 115 Min., OF

Jakob M. Erwa „Bester Nachwuchsregisseur“ – Bayerischer Filmpreis 2016
Best Feature Film – Florence Queer Festival 2016

So luftig-leicht wurde eine schwule Jugendliebe noch nie erzählt. Und so betört wie Louis Hofmann hat selten ein junger Darsteller. Die Zeit
Die Intensität jugendlichen Erlebens spiegelt sich auf wunderbare Weise im kreativen Einsatz stilistischer Mittel, die der Inszenierung eine ganz eigene Qualität verleihen. spielfilm.de

Der siebzehnjährige Phil ist auf der Suche. So wenig er über seine Vergangenheit und vor allem seinen Vater weiß, so chaotisch ist seine Gegenwart: Mit seiner Mutter Glass, die mal wieder einen neuen Liebhaber hat, der allerdings nicht so schnell aufzugeben scheint wie seine Vorgänger. Mit seiner Zwillingsschwester Dianne, die sich immer mehr in ihre eigene Welt zurückzieht. Gut, dass wenigstens auf seine beste Freundin Kat Verlass ist, mit der er gechillt abhängen und rumalbern kann. Und dann passiert es: Ein neuer Schüler betritt nach den Sommerferien die Klasse, und Phil verliebt sich in der Sekunde unsterblich. Nicholas scheint seine Gefühle zwar zu erwidern, doch er gibt Phil auch viele Rätsel auf. Das Chaos ist perfekt... (Filmfest München 2016)

Der 17-jährige Blonde mit den Streifenshirts ist genau das, was das Mainstream-Kino gebraucht hat. Eine homosexuelle Hauptfigur, deren sexuelle Orientierung aber weder zum Thema und schon gar nicht zum Problem gemacht wird. Die Geschichte von Homosexualität im Film – von Tabuisierung, Codierung, Verunglimpfung über die Verhandlung als Problem hin zur selbstbewussten Sichtbarmachung – ist nun endlich an einen Punkt gekommen, wo ein deutscher Film, der sich vor allem an Jugendliche richtet, von zwei jungen Männern erzählen kann, die sich ineinander verlieben und Sex miteinander haben. Probleme gibt's hier natürlich auch, aber die haben nichts mit der sexuellen Orientierung zu tun. 1998 erscheint der Roman von Andreas Steinhöfel, damals liest auch der damalige Filmstudent Jakob M. Erwa das Buch und beschließt, das will er auf die Leinwand bringen. Er hat die Handlung in die Gegenwart versetzt, liebäugelt stellenweise mit hipper Instagram-Ästhetik – doch im Gegensatz zu so vielen anderen Regisseur_innen bewahrt sich Erwa eine Aufrichtigkeit und eine Unpeinlichkeit, was die Inszenierung dieser jugendlichen Lebenswelten betrifft. „It's the sun that kills us all“, singen Naked Lunch während des Abspanns und reißen einem das Herz heraus. [Erwa] hat mit Die Mitte der Welt einen sonnendurchfluteten Film gemacht […]. Der deutsche Film hat jetzt auf jeden Fall einen Film, der die Kursrichtung, was die Repräsentation von homosexuellen Figuren angeht, entscheidend verändert hat. (Pia Reiser, Radio FM4)

Jakob M. Erwa
Jakob M. Erwa wurde 1981 in Graz geboren. Nach der Matura an einer HTL für Kunst und Design in Graz arbeitete er für verschiedene Filmproduktionsfirmen in Österreich. 2001 drehte er seinen ersten Kurzfilm Trübe Aussichten und begann sein Studium an der HFF München. Für seinen Abschlussfilm Heile Welt erhielt er den Großen Diagonale-Preis für den besten österreichischen Spielfilm 2007. Sein zweiter Spielfilm Homesick (2015) hatte seine Weltpremiere auf der Berlinale in der Sektion „Perspektive Deutsches Kino“. Erwa lebt in Berlin und ist Mitglied des Bundesverbands Regie und der Akademie des Österreichischen Films. Er engagiert sich über seine Filme hinaus unter anderem mit Filmemacherworkshops für Jugendliche mit diversen sozialen und kulturellen Hintergründen.

KATEGORIE:
PROGRAMMSCHIENEN:
17.06. 22:00 / Metro Kino Historischer Saal

REGIE:
Jakob M. Erwa

Buch: Jakob M. Erwa, nach einem Roman von Andreas Steinhöfel.
Kamera: Ngo The Chau.
Schnitt: Carlotta Kittel.
Koproduktion: Viktoria Salcher, Mathias Forberg, Bernhard zu Castell, Jakob M. Erwa.
Mit: Louis Hofmann, Sabine Timoteo, Jannik Schümann, Ada Philine Stappenbeck, Inka Friedrich, Svenja Jung.

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