Desde allá  (From Afar)
Lorenzo Vigas Castez
Venezuela 2015, DCP, Farbe, 92 Min., OmdU

Goldener Löwe „Bester Film“ – La Biennale di Venezia/Filmfestival Venedig 2015

Ein beeindruckendes Debüt voller Anmut, Raffinesse und Spannung. Variety
Brilliantly dark romance on the streets of Caracas. The Guardian

Armando wohnt in Caracas, der Hauptstadt Venezuelas. Er lebt zurückgezogen, ist wohlhabend und oft einsam. Nach Feierabend sucht er die Nähe junger Männer – in der Hoffnung, einen zu finden, der ihn aus finanziellen Motiven nach Hause begleitet. Er trifft auf den rebellischen Elder, den jungen Anführer einer Straßengang, der unbedingt Geld braucht. Dieser besucht Armando fortan häufiger, und mit der Zeit beginnt Elder überraschenderweise, Armando immer mehr zu mögen – was dieser allerdings nicht zulässt, hat er doch andere Pläne für Elder. Der Film erzählt die stürmische und komplexe Verbindung zweier ganz unterschiedlicher Männer. (Pink Apple)

Ein grandioses Melodram wie eine hintergründige Studie zweier Seelen stellt Lorenzo Vigas’ Langspielfim-Debüt Desde allá dar. Armando (Alfredo Castro) betreibt ein Zahntechnik-Unternehmen – und hat es mit jungen Männern. Doch Begierde und Liebe lebt Armando nur aus der Distanz aus. Als er sich in den Straßenjungen Elder verguckt, entwickelt sich ein Psychodrama der Sonderklasse: Elder will mit der „Schwuchtel“ nichts zu tun haben und bestiehlt oder schlägt Armando gar. Aber die beiden scheinen durch eine seltsame Kraft aneinandergebunden, wobei neben der Begierde auch eine ebenso verquere wie zärtliche Vater-Sohn-Geschichte entsteht. Liebe auf verschiedenen Ebenen also, die körperliche Anziehung (und Abwehr) findet sich im Widerstreit zur Verwandtschaft zweier Seelen. Langsam, aber sicher beginnt Armando, Nähe zuzulassen.

Mit ruhiger Kamera und viel Stille baut Regisseur Vigas einen Spannungsbogen auf, das raue Leben im Caracas der Gegenwart, das gerade für die Jungen kein Honiglecken und fast ohne Perspektive ist, wird en passant, aber eindrücklich erzählt. Vor allem das Schauspiel der beiden Hauptdarsteller ist kaum übertrefflich. Profi Alfredo Castro gibt dem Armando jene nuancierte Präsenz, die wesentlich zum Erfolg des Films beiträgt. Aber schlichtweg unglaublich ist die Darstellung des Elder durch den beim Dreh 19-jährigen Laien Luis Silva, der in die Darstellung seiner Figur die eigene Biografie als Mitglied einer Straßengang einbringt. Wie Vigas die beiden – nicht nur altersmäßig – so Ungleichen zu einem Schauspiel-Paar formt, ist eine Glanzleistung in diesem glänzenden Film. (Otto Friedrich, Die Furche)

Lorenzo Vigas
Regisseur, Drehbuchautor und Produzent, wurde 1967 in Mérida, Venezuela geboren. Er studierte zunächst Molekularbiologie an der Universität in Tampa, Florida, bevor er 1995 nach New York zog, um an der NYU Film zu studieren. 1998 ging er zurück nach Venezuela, wo er die TV-Dokumentationsserie Expedición drehte. Desde allá ist Lorenzo Vigas‘ Spielfilmdebüt und wurde als erster venezolanischer Film in den Wettbewerb der Biennale in Venedig eingeladen, wo er 2015 den Goldenen Löwen als bester Film gewann.

KATEGORIE:
PROGRAMMSCHIENEN:
12.06. 20:00 / Metro Kino Historischer Saal

REGIE:
Lorenzo Vigas Castez

Buch: Lorenzo Vigas Castez.
Kamera: Sergio Armstrong.
Schnitt: Isabela Monteiro de Castro.
Mit: Alfredo Castro, Luis Silva, Jericó Montilla, Catherina Cardozo, Marcos Moreno, Jorge Luis Bosque, Jeralt Jiménez, Felipe Massiani, Auffer Camacho.

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