In Anwesenheit von Gustav Hofer und Luca Ragazzi
Special Mention Panorama Jury, Manfred Salzgeber Award – Int. Filmfestspiele Berlin 2008
Best Documentary – Intl G&L Audiovisual Arts Festival of Andalusia 2008
Best Documentary – Intl LGBT FF Tel Aviv 2008
Jury Award – Intl Documentary FF Seoul 2008
Best Documentary – Uruguay Intl FF of Sexual and Gender Diversity 2008
Special Mention – Milan Intl Lesbian & Gay FF 2008
The most charming gay couple you could ever hope to meet. Telegraph UK
They live in Italy, they are in love, and they fight for their rights ...
Italien im Frühjahr 2006: Luca und Gustav, ‚bei ragazzi‘ in der ‚città eterna‘ und seit acht Jahren ein glückliches Paar, sind – im positiven Sinne – fassungslos. Die neu gewählte Mitte-Links-Regierung unter Romano Prodi will ein neues Partnerschaftsgesetz auf den Weg bringen, das auch gleichgeschlechtlichen Paaren offensteht. Nichts Ungewöhnliches in einem EU-Land, sollte man meinen. Aber wir sind im Epizentrum des Katholizismus, und schon bald rollt eine vom Vatikan massiv unterstützte und gesteuerte Welle der Entrüstung durch das Land. Allein die Möglichkeit einer rechtlichen Akzeptanz der Homo-Ehe – konkret der „Diritti dei Conviventi“ (kurz „Dico“) – entfesselt eine nationale, von Medien, kirchlichen Institutionen, Parteien und Stammtischen heiß geführte Debatte. Es kommt zu homophoben Unter- und Übergriffen. Bewegt von den politischen Ereignissen macht sich das schwule Journalistenpaar aus Rom auf den Weg, ihre Heimat und ihre MitbürgerInnen unter die Lupe zu nehmen. Mit einer guten Portion Zivilcourage und Humor ausgerüstet, stürzen sie sich mit Videokamera ins Getümmel, wo es vor gottesfürchtigen SchwulenhasserInnen, fundamentalistischen AbtreibungsgegnerInnen und rechtsradikalen DemonstrantInnen nur so wimmelt. Der breit beworbene „Family Day“, von mehr als zwanzig Kirchenverbänden organisiert, wittert Sodom und Gomorrha und fürchtet um die traditionelle Kernfamilie und Hetero-Ehe als Basis der italienischen Gesellschaft, sollten gleiche Rechte längst fällige Realität werden. Wirkliche Argumente haben die „Dico“-GegnerInnen meist keine, Aggressivität und Radikalität bestimmen den ‚Dialog‘ in der Öffentlichkeit.
Auch die Interviews mit PolitikerInnen unterschiedlicher Couleurs, die Gustav und Luca mit charmanter Hartnäckigkeit befragen, offenbaren sowohl den fehlenden Willen zur Veränderung – monatelang wird die Gesetzesvorlage in Ausschüssen und Unterausschüssen herumgeschoben – wie auch die engen Verbindungen des Parlaments zum Vatikan.
Mit Improvvisamente l’inverno scorso ist beiden Filmemachern ein leichtes, unterhaltsames und zugleich höchst politisches ‚home-movie‘ gelungen. Mit hintergründigem Humor und jeder Menge Engagement verknüpfen sie die politische Bestandsaufnahme im eigenen Land mit ihrem Selbstverständnis und persönlichen Alltag als schwules Paar – und geraten dabei immer wieder an die Grenzen des Erträglichen, etwa als sie sich bei einer von Faschisten organisierten Kundgebung outen und knapp einem gewaltsamen Übergriff entkommen. Das utopische Finale, das Gustav Hofer und Luca Ragazzi entwerfen, ist zugleich ein Plädoyer für einen laizistischen Staat, der sich klar gegen eine Einflussnahme durch die Kirche ausspricht. Seit Silvio Berlusconis Wiederwahl im April 2008 ist eine rechtliche Gleichstellung wieder in weite Ferne gerückt. (Barbara Reumüller, Vina Yun)
Gustav Hofer
Wurde 1976 in Südtirol, Italien, geboren und studierte Publizistik an der Universität Wien und Film an der Middlesex University in London. 1999 übersiedelte er nach Rom, wo er als freier Journalist und Dokumentarfilmer arbeitet. Seit 2001 moderiert er die Sendung „Journal de la Culture – ARTE Kultur“ auf ARTE TV, für das er auch als Italienkorrespondent tätig ist. Improvvisamente l’inverno scorso ist sein erster abendfüllender Dokumentarfilm.
Luca Ragazzi
Geboren 1971 in Rom, studierte Literatur und Philosophie in Rom. Er ist Journalist, Filmkritiker und Fotograf. Improvvisamente l’inverno scorso ist sein erster Film.
www.suddenlylastwinter.com